Vereinsgeschichte, Tradition und bedeutende Ereignisse
Die Schützenzunft Fürstenberg blickt auf eine mehr als 250-jährige Vereinsgeschichte zurück und steht bis heute für lebendige Tradition und ein starkes Gemeinschaftsgefühl in Fürstenberg. Als fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt bewahrt sie die Werte der Bürgerwehr und fördert das sportliche Schießen sowie das Brauchtum. Diese Chronik gibt einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Stationen, Persönlichkeiten und Ereignisse der Vereinsgeschichte.
1765 – Gründung der Schützenzunft Fürstenberg
Am 27. März 1765 bestätigte Herzog Adolf Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz per Dekret die Gründung der Schützenzunft Fürstenberg. Die Zunft entstand ursprünglich als Bürgerwehr, um die Stadt und ihre Bürger zu schützen. Jeder Bürger mit Grundbesitz war verpflichtet, sich der Zunft anzuschließen – anfangs mit Armbrust, später mit Büchse. Besonders zu erwähnen ist, dass die ersten Uniformen ab Mitte des 19. Jahrhunderts getragen wurden: grüne Röcke nach dem Vorbild der freiwilligen Jäger der Befreiungskriege gegen Napoleon, weiße Hosen und ein schwarzer Zylinder als Symbol bürgerlicher Würde.
Schon früh wurde das Schützenfest zum festen Bestandteil der Vereins- und Stadttradition. Laut Satzung fand und findet es immer 14 Tage nach Pfingsten statt. Ursprünglich zur Stärkung der Wehrkraft gedacht, ist es heute ein bedeutendes Volksfest.
1933–1946 – Nationalsozialismus und Verbot
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden ab 1935 alle Vereine gleichgeschaltet. Die Schützenzunft Fürstenberg musste sich dem Reichsbund für Leibesübungen anschließen und ihre historischen Fahnen abgeben. Nach Kriegsende 1945 wurde der Verein durch den SMAD-Befehl Nr. 126 als nationalsozialistische Vereinigung verboten. Mit dem Einmarsch der Roten Armee war die Traditionspflege zunächst beendet.
1987 – Erste Wiederbelebungsversuche
Erst zur 700-Jahr-Feier Fürstenbergs 1987 marschierten erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Schützen, begleitet von einer sowjetischen Blaskapelle, im Festumzug mit – ein erstes Zeichen für die Rückkehr der Tradition.
1992 – Wiedergründung der Schützenzunft
Am 27. März 1992, genau 227 Jahre nach der Ersterwähnung, wurde die Schützenzunft Fürstenberg im „Mecklenburger Hof“ neu gegründet. Der Vereinszweck ist seitdem offiziell die „Pflege des Sports und der Tradition“. Die Schützen treffen sich heute im modernen Schützenhaus und trainieren mit Luftdruckgewehren auf mehreren Bahnen. Das Schützenfest wurde neu belebt und entwickelte sich zu einem Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben der Stadt.
Wichtige Ereignisse nach der Wiedergründung waren u.a. die Fahnenweihe durch Pastor Eberhard Erdmann 1993, die Gründung der vereinseigenen Blaskapelle „Havelfürsten“ 1999 sowie zahlreiche gemeinsame Feste mit den Pankgrafen vom Wedding bei Berlin, die Fürstenberg seit 1898 als Vasallenstadt begleiten.
Herausragend war das 250-jährige Jubiläum im Juli 2015, das im Rahmen des Brandenburger Wasserfestes mit vielen befreundeten Vereinen und Gästen gefeiert wurde.
Zu den prägenden Persönlichkeiten der Vereinsgeschichte gehören Herzog Adolf Friedrich IV., der Gründungsvater der Schützenzunft, und Georg Alexander Herzog zu Mecklenburg, der nach der Wende als Freund und Ehrenmitglied die Verbindung zur herzoglichen Tradition neu belebte. Sein Engagement würdigte die Schützenzunft 1995 mit der Übergabe einer Erneuerungsurkunde. Nach seinem Tod 1996 begleiteten ihn die Fürstenberger Schützen in ihren historischen Uniformen in die Familiengruft der Strelitzer Herzöge.
Eine humorvolle Anekdote aus der Vergangenheit erzählt von den weißen Hosen der Schlosswache, die oft hochgekrempelt wurden, um sie bei Regen zu schonen. Sobald die herzogliche Familie erschien, hieß es: „Hosen runter, die Herzogin kommt!“ – ein Beispiel für die lebendige Überlieferung und den Charme der Vereinsgeschichte.
Die Schützenzunft Fürstenberg steht heute für gelebte Tradition, sportliches Miteinander und die Pflege von Vereinsgeschichte. Als Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart bereichert sie das kulturelle Leben der Stadt, pflegt alte Bräuche und bietet Mitgliedern wie Gästen eine lebendige Gemeinschaft. Die Chronik spiegelt eindrucksvoll wider, wie sich die Schützenzunft im Wandel der Zeit behauptet und ihre Werte bis heute bewahrt hat.